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Philanthropie für Familienunternehmen

Erbsenzähler oder großzügige Förderer — wie verträgt sich soziale Verantwortung mit dem pragmatischen Unternehmergeist von Familienunternehmen?


Familienunternehmen – da sitzt der Patriarch auf dem Geldbeutel und wacht über jeden Cent. Das sind also ganz schlechte Voraussetzungen für Wohltätigkeit und soziales Engagement. Das ist eine Sichtweise.

 

Sie denken langfristiger, sind bemüht, Werte zu erhalten und sind daher weitaus eher dazu bereit, sich auch sozial zu engagieren und auf ihre Umgebung zu beachten – das ist der andere Zugang. Nüchterne Zahlen zeigen: Familienunternehmen sind deutlich mehr an sozialer Verantwortung interessiert als Unternehmen in Fremdbesitz.
92 % der Familienunternehmen, das ergab eine Studie der Stiftung Familienunternehmen 2015, ist es wichtig, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten. Fast 60 % der Familienbetriebe unterstützen karitative Aktivitäten, Vereine oder Stiftungen. Damit haben sie die Nase deutlich vorn. Bei Unternehmen in Fremdbesitz liegen diese Werte nur bei 76 beziehungsweise 44 Prozent. 

Familienunternehmen betreiben soziales Engagement überdies nicht vorrangig aus Marketinggründen. Oberste Motivation sind Gestaltungswille, Experimentierfreude und innerer Antrieb, die eigene Umgebung zum besseren zu verändern. Eine Untersuchung der KMU Forschung Austria ergab, dass soziales Engagement von Familienunternehmen auf die moralische Überzeugung der Geschäftsführung zurückzuführen ist. Der Wunsch, die Vorbildwirkung des Unternehmens zu stärken, ist die zweitwichtigste Motivation. Die Budgets der Familienunternehmen sind dabei so unterschiedlich wie die Bandbreite der einzelnen Aktivitäten: Zwei Drittel der Familienunternehmen investieren bis zu 50.000 Euro jährlich in soziale Verantwortung, bei vier Prozent ist es mehr als eine Million Euro. 90 Prozent der Unternehmen spenden, knapp ein Viertel investiert in eigene Stiftungen. 

Soziales Engagement:
Interview mit Marie Ringler von Ashoka

Soziales Engagement kann auf viele Arten realisiert werden. Gerade weil Familienunternehmer auch dabei oft ihrem eigenen Antrieb folgen und Veränderung realisieren wollen, ist der Einstieg nicht immer leicht – wenn es um mehr als Spenden gehen soll. Darüber haben wir mit Marie Ringler, Gesamtverantwortliche für Ashoka Europa, gesprochen. 

HB Philanthropie Marie Ringler

(Foto Marie Ringler: Akos Burg, Die Presse)


Ashoka ist ein Unterstützungsnetzwerk für Social Entrepreneurs. Sozialunternehmer werden durch die Arbeit des Netzwerks sowohl finanziell als auch durch Beratung und Netzwerke unterstützt. Dazu arbeitet Ashoka mit Unternehmen zusammen, die mit Spenden und Know-how unterstützen und mit ihrem Engagement Veränderungsprozesse in Gang setzen möchten. 

forum familienunternehmen: Familienunternehmen und soziales Engagement - wie verträgt sich das Ihrer Erfahrung nach?

Ringler: Da kann ich ganz klar sagen: Einige unserer besten und aktivsten Partner sind Familienunternehmen. Ich denke, das liegt vor allem an unserem Ansatz: Wir legen sehr viel Wert auf Wirkung. Wir wollen nicht nur punktuelle Maßnahmen setzen, wir wollen etwas in Gang bringen. Sie kennen vielleicht das Bild: Man soll Hungernden keinen Fisch geben, man soll sie lehren, zu fischen. Wir wollen einen Schritt weitergehen und, um in diesem Bild zu bleiben, gleich die Fischereibranche verändern, sodass sie mehr Menschen nützt. Dem liegt ein unternehmerischer Ansatz zugrunde, den viele Familienunternehmer offenbar teilen.
 

Was ist denn das konkrete Angebot von Ashoka?

Ringler: Wir sind ein weltweites Netzwerk, das Sozialunternehmer unterstützt. Unsere wesentliche Leistung ist: Wir identifizieren vielversprechende Social Businesses, prüfen deren Geschäftsmodell und bringen unserer Expertise in der Weiterentwicklung ein. Die Projekte unserer Ashoka Fellows – das sind die Sozialunternehmer, mit denen wir zusammenarbeiten – unterstützen wir unter anderem durch Partnerschaften mit Unternehmen. 

Für Sozialunternehmer bedeutet das: Wir helfen ihnen, Ideen noch besser und wirksamer umzusetzen. Für Partnerunternehmen bedeutet das, dass wir sehr viel Erfahrung haben, wie wir die Wirkung von sozialem Engagement maximieren können. Unsere Arbeit ist eine Art Goldstandard im Social Business; manchmal sage ich auch, wir sind sozusagen die Trüffelschweine bei der Suche nach Sozialunternehmern. 

Wodurch unterscheidet sich das Social Entrepreneurship, das von Ashoka unterstützt wird, von klassischer Wohltätigkeit und von Charity-Events?

Ringler: Sozialunternehmen setzen etwas in Gang. Anders als bei bloßen Spenden können wir sehr genau nachvollziehen und steuern, was mit dem Geld passiert. Im Idealfall entstehen aus Ashoka-Projekten dann auch nachhaltige sich selbst tragende Organisationen. Projekte, die wir unterstützen, entwickeln eigene Businessmodelle oder passen Businessmodelle an neue Märkte an, auf denen sie sonst nicht funktionieren würden. Das erfordert nicht nur den sozialen Blick, sondern auch viel unternehmerisches Knowhow, Kreativität und ein Gespür für Trends.

Davon profitieren dann auch unsere Partnerunternehmen: Unsere Geldgeber erweitern ihren Horizont und ihre Netzwerke, und als Executive in Residence können ihre Mitarbeiter auch über längere Zeit sehr eng mit Social Entrepreneurs zusammenarbeiten und so viele neue Perspektiven kennenlernen. Partnerunternehmen, die uns mit Geld und Netzwerken unterstützen, geben also nicht nur, sie bekommen auch sehr viel zurück. 

In welcher Größenordnung macht denn die Zusammenarbeit mit Ashoka Sinn; sollten sich hier nur große Konzerne angesprochen fühlen?

Ringler: Wir arbeiten mit vielen Familienunternehmen zusammen, und davon sind viele auch Mittelständler. Gerade wenn die Mittel nicht unbegrenzt sind, steht die Wirkung umso mehr im Vordergrund – und das ist unsere Stärke. 

Soziale Verantwortung ist auch nach innen ein großes Thema für Unternehmen, was sind aus Ihrer Erfahrung dabei die wichtigsten Aspekte?

Ringler: Am wichtigsten ist hier ganz sicher die Leidenschaft. Verantwortung und Nachhaltigkeit in einem Unternehmen zu etablieren, das braucht Freiraum, die Möglichkeit zu experimentieren. Die Rahmenbedingungen sind ähnlich wie bei der Schaffung von Innovationsräumen: Eine Unternehmenskultur, die vor allem auf Fehlervermeidung aus ist, ist hier das größte Hindernis.

Wir verstehen uns nicht als CSR-Beratung, aber wir bringen viel Erfahrung mit. Und unser Netzwerk schafft auch Möglichkeiten zum Austausch von Unternehmen untereinander. Das - und der Prozess, der Weg zur Veränderung – sind auch die wichtigsten Möglichkeiten für Unternehmen, etwas zu lernen: Der Weg ist entscheidend, egal ob man eigene CSR-Abteilungen einführt, Gemeinwohlbilanzen erstellt oder sich um Zertifikate bemüht. Unternehmen lernen dabei etwas über sich selbst und ihre Wirkung und wissen dann besser, mit welchen Hebeln sie etwas verändern können.

Beratung für Familienunternehmen:
Nutzen Sie unsere Beratungsdienstleistungen

Bankhaus Carl Spängler & Co. AG
Schwarzstraße 1, 5020 Salzburg
Tel.: +43 662 8686 4089
Fax: +43 662 8686 4098
E-Mail: bankhaus@spaengler.at
www.spaengler.at

 

KONTAKT ASHOKA:
Ashoka Austria gGmbH
Tel.: +43 1 38 40 100
Mail: austria@ashoka.org
http://ashoka-cee.org/austria/

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