Publikationen Newsletter Registrieren Anmelden

Die Zügel weitergeben

Nur noch die Hälfte der Familienunternehmen findet einen Nachfolger in der Familie. Die Betriebsübergabe ist für jedes Unternehmen eine kritische Phase – egal ob sie innerhalb der Familie oder an Außenstehende erfolgt. Die rechtlichen und wirtschaftlichen Regelungen sind dabei nur eine Seite, die persönliche Ebene geht oft noch tiefer.


In Österreich befinden sich mehr als 80 % der Unternehmen in Familienbesitz. Während früher rund drei Viertel einen Nachfolger in der Familie fanden, gelingt dies mittlerweile nur noch der Hälfte aller Familienbetriebe. Die Kinder wollen nicht mehr in die Fußstapfen der Eltern treten, sondern schlagen oft einen ganz anderen Weg ein. Die Elterngeneration ist somit gezwungen, ihr Lebenswerk an einen externen Nachfolger zu verkaufen. "Die Kunst ist dabei, den richtigen Käufer zu finden: jemanden, der bereit ist, das eigene Lebenswerk fortzuführen und dafür einen ordentlichen Preis zu zahlen", umreißt Josef Rumpl, Partner bei Uniconsult Corporate Finance, die Problematik.

Übergabe ist meist eine sehr emotionale Angelegenheit.
Aber unabhängig davon, ob die Nachfolge in der Familie erfolgt oder in einen Verkauf des Unternehmens mündet – die Übergabe ist meist eine sehr emotionale Angelegenheit. Spezialisierte Experten stehen den Eigentümern deshalb nicht nur bei betriebswirtschaftlichen Fragen, sondern auch bei strategischen  Entscheidungen und zwischenmenschlichen Aspekten beratend zur Seite.

Viele Unternehmer stehen noch im Pensionsalter ohne Nachfolger da. Strukturierte Planung sieht anders aus.
"Eine Betriebsübergabe ist sehr komplex. Es muss genügend Zeit eingeplant werden, um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen", sagt Wolfgang Reiger, Obmann der Fachgruppe Unternehmensberatung und Informationstechnologie (UBIT) der Wirtschaftskammer Salzburg. Jede Unternehmensnachfolge ist individuell zu bewerten, nicht zuletzt aufgrund der persönlichen Konstellation. Dennoch gibt es eine Reihe von Punkten, die es in jedem Fall zu klären gilt.

Ein externer Experte kann bei allfälligen Konflikten zudem eine neutrale Position einnehmen und den Weg zu einer versöhnlichen Lösung ebnen. Drei Interessen gilt es hier zu berücksichtigen: Eigentümern, die das Unternehmen mit viel Herzblut selbst aufgebaut haben, fällt das Loslassen verständlicherweise nicht immer leicht. Nachfolger, die neue Pläne verwirklichen wollen, fühlen sich in ihrer Tatkraft mitunter gebremst. Nicht zuletzt müssen aber strukturelle Veränderungen an  Geschäftspartner, Lieferanten und Kunden so kommuniziert werden, dass diese weiterhin auf verlässliche, professionelle Geschäftsbeziehungen vertrauen.

Werte festgeschrieben
Auch in der Unternehmensgruppe List GC, einem Hersteller luxuriöser Innenausstattungen für Yachten, wurden in den vergangenen Jahren die Weichen neu gestellt. Das niederösterreichische Unternehmen entwickelte sich aus einer 1950 von Franz List senior gegründeten Tischlerei mit Sitz in Bad Erlach. Seit 2016 leitet Theresa Ludwiger-List den Familienbetrieb in dritter Generation. Sie startete mit 26 Jahren in der Tourismus-Division und wechselte 2009 ins Management-Team der List General Contractor. Das Unternehmen wächst seither kontinuierlich, die Anzahl der Beschäftigten stieg innerhalb der letzten fünf Jahre von 71 auf 230. Vor kurzem holte Theresa Ludwiger-List mit der Betriebswirtin Gabriela Zraunig und der Qualitätsmanagerin Ursula Leinemann zwei familienfremde Managerinnen ins Führungsteam.

ff pic list
Theresa Ludwiger-List (re.) holte mit Gabriela Zraunig und Ursula Leinemann zwei familienfremde Führungskräfte ins Management der List GC (Foto: List GC)

Ein Familienkodex, der unter partizipativer Beteiligung aller Familienmitglieder erstellt wird, schreibt die strategische Grundausrichtung, Leitbilder und Werte fest, die der  Eigentümerfamilie wichtig sind. "Familienunternehmen verändern sich von Generation zu Generation. Die zentrale Frage ist: Was nehmen wir uns für die Zukunft mit?", sagt Ludwiger-List. "Ich bin überzeugt, dass der Familienkodex eine sehr gute Basis für diesen Change-Prozess ist."

Das Bankhaus Carl Spängler begleitet seit 15 Jahren Familienunternehmen in Übergabeprozessen. Der "Governance Kodex", in dem die Familie gemeinsame Werte und Ziele in einem Regelwerk schriftlich festhält, bringt Klarheit, einen strategischen Rahmen über die weitere Entwicklung, wirtschaftliche Stabilität sowie Sicherheit in kritischen Situationen. Überdies hat sich der in der Regel in langen Diskussionen erarbeitete Konsens zur Prävention von Konflikten bestens bewährt, wie Elisabeth Kastler, Geschäftsführerin der Spängler M&A GmbH, weiß: "Unterschiedliche Erwartungshaltungen spielen eine Rolle, wenn man sich über die strategische Ausrichtung nicht einig wird. Das wirkt sich auf die wirtschaftliche Entwicklung des  Unternehmens aus: Wichtige Investitionen werden nicht getätigt, die anfängliche Motivation wechselt in Frustration."

Familienunternehmen-Studie
Auch in einer Studie wurde die positive Wirkung des Familienkodex bestätigt. Gemeinsam mit dem Bankhaus Spängler nahm Joshua Consulting Unternehmen unter die Lupe, die bereits über mehrere Generationen bestehen. Unabhängig vom Führungsmodell oder der Unternehmensgröße wurden drei Erfolgsfaktoren identifiziert: das Bewahren der Werte in einem Familienkodex, die Regelung der Nachfolge und die strategische Planung. 38 % der befragten Unternehmen haben alle drei Instrumente im Einsatz, 47 % mindestens zwei.

Nachfolger in Aussicht
Bei 68 % der Studienteilnehmer steht innerhalb der nächsten zehn Jahre eine Übergabe bevor, wobei drei Viertel bereits einen Nachfolger in Aussicht haben. Trotzdem unterschätzen viele Betroffenen erfahrungsgemäß die Dauer und den Kommunikationsaufwand einer Übergabe. Das rächt sich, wenn das Schicksal einen Strich durch die Rechnung macht.


"Mein Vater wollte übergeben. Wir waren noch gar nicht so weit", erzählt Erich Polz, wie es Ende der 1980er-Jahre zu der Übergabe des Weinguts an ihn und seine Brüder – Walter ist Miteigentümer, Reinhold fungiert als Geschäftsführer – kam. Die Eltern hatten aus gutem Grund keine Bedenken: Der südsteirische Betrieb heimste in den vergangenen Jahren zahlreiche internationale Auszeichnungen ein. Für das Hochzeitsdinner der schwedischen Prinzessin Madeleine lieferte das Weingut Polz 160 Großflaschen Sauvignon Blanc an das Königshaus. Nun ist mit Erichs Sohn Christoph, der im Sommer 2011 die Funktion des Winemakers übernahm, bereits die vierte Generation an Bord. Auch für ihn steht die Fortführung der Familientradition an oberster Stelle: "Unser Gedanke ist es, langfristig eine qualitative Wertsteigerung der natürlichen Gegebenheiten zu erzielen und nicht das Ausschlachten in einer Generation. Die Rebstöcke am Hochgrassnitzberg sind zwischen 1985 und 1986 gesetzt worden. Ich zehre immer noch davon. Wenn ich jetzt neue Rebstöcke setze, hoffe ich, dass in 30 Jahren jemand anderer davon zehren kann."

ff pic polz
Erich, Christoph und Walter Polz (v.li.) führen die Familientradition des Weinguts Polz in der Südsteiermark fort (Foto: Polz).

Unterstützung von außen
Gerade wenn der Betrieb ohnehin in der Familie bleiben soll, gehen alle Beteiligten meist von einer problemlosen Übergabe aus. Das Gegenteil ist der Fall: Erhebungen des deutschen NachfolgerForums BMS zufolge sind etwa Probleme bei der Finanzierung die Ausnahme. Unterschiedliche Vorstellungen über die künftige Ausrichtung des Unternehmens, strukturelle Veränderungen, die weitere Mitarbeit des Übergebers im Betrieb sowie fehlendes Vertrauen in die Nachfolger bergen hingegen jede Menge Konfliktpotenzial. "Gewiefte Unternehmer, die eine Firma ihr Leben lang erfolgreich aufbauen, sammeln viele wertvolle Erfahrungen – aber häufig fehlt ihnen die entscheidende Erfahrung der Firmenübergabe an die nächste Generation", sagt BWS-Leiter Peter Hertweck. Unter diesem Aspekt betrachtet macht sich die Einbindung von Übergabeexperten nicht nur bei Nachfolgelösungen mit Dritten, sondern gerade auch innerhalb von Familien bezahlt. Diese Erfahrung hat auch das Bankhaus Spängler gemacht, das Unternehmen bereits seit über 15 Jahren bei Übergaben professionell begleitet.


Auszüge aus dem Artikel "Die Zügel weitergeben" von Report (+) PLUS von Angela Heissenberger.
>> Alles lesen (PDF) <<

Strategische Beratung für Familienunternehmen:
Nutzen Sie unsere Beratungsdienstleistungen

Bankhaus Carl Spängler & Co. AG
Schwarzstraße 1, 5020 Salzburg
Tel.: +43 662 8686 4089
Fax: +43 662 8686 4098
E-Mail: bankhaus@spaengler.at
www.spaengler.at

Diese Website nutzt Cookies. Dies verbessert die Leistung der Website und ist im Sinne des Users. Wenn sie dem Einsatz von Cookies nicht zustimmen, können Sie sie deaktivieren.