Publikationen Newsletter Registrieren Anmelden

HB Artikel 2 Serie 3

Die Familie und das Kapital

Familienunternehmen stehen im Eigentum der Familienmitglieder  zumindest zu einem großen Teil. Was einfach klingt, wird dann kompliziert, wenn frisches Kapital benötigt wird. Welche Finanzierungs- und Beteiligungsunternehmen stehen Familienunternehmen offen, und worauf müssen sie dabei achten?

Wir haben dazu mit Dr. Clemens Jaufer gesprochen. Er ist Partner in der Rechtsanwaltskanzlei ScherbaumSeebacher und Spezialist für Vermögensentflechtungen und Unternehmensfinanzierungen.


Herr Dr. Jaufer, Sie begleiten häufig Finanzierungs- oder Beteiligungsprozesse in Unternehmen. Bemerken Sie dabei relevante Unterschiede zwischen Familienunternehmen und anderen Unternehmen? 

Dr. Jaufer: Die Familie ist der Unterschied. Hier spielt - neben allen anderen Faktoren, die in jedem Unternehmen wichtig sind – die Sicherung des Familienvermögens eine zentrale Rolle. Das Familienunternehmen ist mit seinen Eigentümern verbunden. Dabei geht es nicht nur um Zahlen, sondern oft auch um Kontrollmöglichkeiten, Einflussnahme, Erbfolge und um soziale und emotionale Beziehungen. Das macht solche Prozesse noch um einiges komplizierter.

 

Wenn wir an Beteiligungs- und Finanzierungsprozesse denken – welche Optionen hat ein Familienunternehmer?  

Dr. Jaufer: Grundsätzlich haben Familienunternehmer die gleichen Möglichkeiten, wie jeder andere Unternehmer auch. Es gibt nur einige weitere Punkte, die zu beachten sind und die einen Beteiligungsprozess bei Familienunternehmen spezifisch machen: Zuerst sollte man sich Klarheit über die zugrundeliegende Motivation verschaffen. Handelt es sich nur um eine reine Finanzierungsfrage, dann ist wohl die klassische Fremdfinanzierung über Banken nach wie vor die beste Option. Wenn die Fremdfinanzierung nicht ausreicht, dann sind können Investoren beigezogen werden. Wenn man im Kern ein Familienunternehmen bleiben möchte, empfiehlt es sich allerdings, Beteiligungen möglichst gering zu halten. Der Kapitalmarkt als dritte Option empfiehlt sich nur dann, wenn auch ein operativer Rückzug geplant ist, das Unternehmen in der Familie also praktisch nur noch als Kapitalanlage gesehen wird.

 

Ist Crowdinvesting eine Alternative?  

Dr. Jaufer: Letztlich gilt hier generell das gleiche wie für die klassische Fremdfinanzierung, mit dem Unterschied, dass es statt einer Bank mehrere, meist private Investoren gibt. Fraglich bleibt nur, ob eine Crowd zu einem sehr geschlossenen Kreis an Familienunternehmern passt; das wird wohl eher selten der Fall sein.

 

Was sind nun die zusätzlichen Komplexitätsstufen, die Familienunternehmen beachten müssen?  

Dr. Jaufer: Nehmen wir als einfaches Beispiel die Fremdfinanzierung: Ein Unternehmen, das zu gleichen Teilen im Besitz zweier Familienstämme ist, braucht frisches Kapital; grundsätzlich sollen beide zu gleichen Teilen haften. Damit kommt auch die Bonität der beiden Familien ins Spiel; hat ein Familienteil eine bessere Bonität, dann wäre hier auch das Risiko ungleich verteilt. Das muss in der einen oder anderen Form abgebildet werden. Eine Art des Risikoausgleichs wäre die unterschiedliche Verteilung von Gewinnen. Ein anderer Weg ist die Neuverteilung von Kontroll- und Mitspracherechten zugunsten des stärker belasteten Teils. Und ein dritter Weg wäre schließlich die Neuregelung der familieninternen Beteiligungsverhältnisse. Das greift direkt in eventuell bisher existierende Vereinbarungen ein und ändert möglicherweise auch die geplante Erbfolge sowie vorweggenommene Vermögensaufteilungen. Das sind essentielle Entscheidungen für Familienunternehmen.

 

Und wie verhält sich das bei Beteiligungsprozessen?  

Dr. Jaufer: Hier ist zusätzlich zu den finanziellen Fragen noch die Führungsfrage zu stellen. Ein Investor, der Kapital bringt, wird Kontrollrechte wollen oder auch operativ Einfluss auf die Führung nehmen wollen. In solchen Fällen muss sich die ganze Familie als Gesellschafterin einig darüber sein, wie viele Rechte und damit wieviel Einfluss abgegeben werden soll. Auch wenn es einige gemeinsame Ziele gibt, sind in diesem Punkt die Interessen von Investoren und Eigentümerfamilie genau entgegengesetzt. Die Eigentümerfamilie muss jedenfalls ihre Gesellschafterrolle und Unternehmensstrategie überdenken und eventuell neue Vereinbarungen wie Stimmrechtsregelungen oder Beiräte einführen, um ihren Einfluss zu behalten. Grundsätzlich gilt: Fremde Investoren in Familienunternehmen sollten eher nur dann ein Thema sein, wenn auch der Rückzug aus der operativen Unternehmensleitung gewünscht ist.

 

Werden deshalb Börsegänge oft auch als Nachfolgeregelung verstanden?  

Dr. Jaufer: Wenn kein operativer Nachfolger in Sicht ist und das Unternehmen nur noch als Kapitalanlage erhalten bleiben soll, dann kann der Weg an die Börse tatsächlich eine Option sein. Die damit verbundenen Sorgfalts- und Transparenzpflichten tun gerade auch Familienunternehmen gut. Allerdings lässt sich dann kaum noch von einem Familienunternehmen sprechen.

 

Sind Familienunternehmen Ihrer Erfahrung nach auf diese Fragen vorbereitet?  

Dr. Jaufer: Meistens entsteht das Problembewusstsein erst im Anlassfall. Das können Erb- und Nachfolgefragen und damit verbundene Änderungen in den Gesellschaftsverhältnissen sein - oder eben konkrete Finanzierungsfragen.

 

Kann man sich als Familienunternehmen auf derartige Veränderungsprozesse vorbereiten?  

Dr. Jaufer: Man kann auf jeden Fall frühzeitig Klarheit schaffen. Wenn man sich das Szenario, das wir eingangs angesprochen haben, genauer durchdenkt, dann kommt man schnell zu den wesentlichen Fragen, die es zu klären gilt: So sind Vermögensverhältnisse, Risikofreudigkeit und Bonität der Gesellschafter in der Familie zu analysieren und mit der Unternehmensstrategie in Verbindung zu setzen - dann wissen die Beteiligten schon recht genau, wo die Knackpunkte liegen können. Und man gelangt in der Familie zu einer gemeinsamen Sichtweise bei Zukunftsvorstellungen rund um das Unternehmen. Das ist ein langfristiger Prozess, der ohne weiteres mehrere Monate in Anspruch nehmen kann. Aber selbst wenn man nicht an Fremdfinanzierungen oder Beteiligungen denkt - auch bei Erbfolgen und Vermögensaufteilungen bzw. -entflechtungen sind die gleichen Analysen hilfreich.

 

Empfehlen Sie einen bestimmten Zeitpunkt, zu dem man das in Angriff nehmen soll?  

Dr. Jaufer: Es gibt viele Anlässe; ideal ist es, Nachfolgepläne und die Vorgaben für allfällig erforderliche Beteiligungsprozesse möglichst früh zu regeln. Leider wird dies nicht immer gemacht, sodass manchmal erst, wenn ein Familienmitglied ausscheidet (zB von Todes wegen), oder wenn die Stimmung in der Familie aufgrund von Veränderungen schlechter wird, ein Anlass vorliegt. Dann stehen mit großer Wahrscheinlichkeit Fragen im Raum, die durch klar erarbeitete Statuten beantwortet werden müssen; nur dass der Strukturierungsprozess dann meist viel langwieriger und aufwendiger ist.

ff LOGO Team ff 32pt

Diese Website nutzt Cookies. Dies verbessert die Leistung der Website und ist im Sinne des Users. Wenn sie dem Einsatz von Cookies nicht zustimmen, können Sie sie deaktivieren.