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HB Netzwerk Philipp Spaengler

Unter Freunden   

Netzwerke sind für Unternehmer essenziell. Manche sind nützlich, andere vielleicht hinderlich. Carl Philipp Spängler erzählt über seinen Zugang zum Netzwerk als Management-Tool.

Die Wissenschaft nähert sich dem Thema mit aufwendigen Definitionen: „Selektion, Allokation, Regulation, Evaluation“ sind Möglichkeiten, um Netzwerke zu beschreiben und zu erfassen. In der Praxis bedeutet das nichts anderes als: Man muss sich entscheiden, wie viel Zeit und Energie man in einzelne Kontakte und Netzwerke investiert.

„Netzwerke sind Türöffner. Ein Netzwerk allein aber entscheidet noch nichts“, sagt Philipp Spängler, der als Nachfolger der siebten Generation für das Bankhaus Spängler Kontakte pflegt. „Man darf Netzwerke nicht als Abschneider oder als schnelleren Weg zu einer Entscheidung sehen. Natürlich geht es auch bei mir letztlich um Geschäfte, aber der Weg dorthin – von Contact zu Contract – kann auch schon mal zehn Jahre dauern. Drei bis fünf Jahre halte ich auf jeden Fall für normal.“


Unternehmerfamilien als Netzwerk
Mitglieder von Unternehmerfamilien werden in vielfältige Netzwerke hineingeboren. Das kann sich sehr unterschiedlich auswirken: Netzwerke können Macht bedeuten, sie bringen aber auch Verpflichtungen mit sich. Familienunternehmen schaffen Arbeitsplätze, sind für das Wachstum und die Entwicklung der Wirtschaft in ihrer Region verantwortlich. Damit werden sie auch zur Zielscheibe von Lobbyisten oder zu Gesprächspartnern der Politik und sehen sich mit Erwartungen konfrontiert. 

Auf der anderen Seite sind Netzwerke natürlich auch nützlich. Isabell Stamm beschreibt in ihrer Studie „Unternehmerfamilien“ diese Familien auch als Solidargemeinschaften, die über ihre Netzwerke Familienmitgliedern helfen können. Oft betrachten sich Familienunternehmen auch als eigene Gemeinschaft – anders als Investoren, Angestellte oder Manager – in der auch andere Regeln für Beziehungen gelten. 


Netzwerken als Management-Tool
„Banking is people“, beschreibt Philipp Spängler seinen ganz pragmatischen Zugang zu Netzwerken. „Präsenz ist in unserem Geschäft sehr wichtig: Als Bank müssen wir ansprechbar sein, umgekehrt müssen wir auch in vielen Dingen einen guten Überblick haben.“ Spängler sieht es auch als Teil seines Jobs, Menschen Zugang zur Bank zu verschaffen und Respekt und Hürden auf dem Weg dorthin zu beseitigen. In informeller Umgebung spricht sich vieles leichter an und kann dann in formeller Umgebung fortgesetzt werden. 

„Für mich ist das eine Rolle, die ich mir in unserem Unternehmen und in unserer Branche geschaffen habe“, beschreibt Philipp Spängler seine Tätigkeit. „Es ist eine Funktion, in der ich mich wohlfühle und in der ich einen Mehrwert fürs Unternehmen schaffe. Zu meinen Netzwerken gehören viele mehr oder weniger offizielle Organisationen, wie die Next Generation der Freunde der Salzburger Festspiele oder das Forum Familienunternehmen, aber auch schlicht die persönliche Präsenz. Wer Kunde eines Familienunternehmens ist, möchte schließlich auch die Familie kennenlernen.“ 

Gerade im Banking werden viele Fragen schon online geklärt. Trotzdem ist es wichtig, ansprechbar zu sein. Vor allem bei Beziehungen unter Familienunternehmen ist das durchaus eine zentrale Managementaufgabe: „Die nächste Generation übernimmt nicht automatisch Kontakte wie den Anwalt, den Notar oder die Bank von den Vorgängern. Ich arbeite daran, einen neuen und direkteren Draht zu den Unternehmergenerationen, die jetzt heranwachsen, zu schaffen. Das ist für mich in meiner Position leichter als für die Vorstandsmitglieder in unserer Bank.“ 

Netzwerke sind für Unternehmer nicht nur nützlich, sie sind auch eine Verpflichtung. Schließlich kennt Philipp Spängler die Situation junger Unternehmergenerationen auch aus eigener Erfahrung: „Wenn man aus einer Unternehmerfamilie kommt, dann wächst man natürlich in bestimmte Netzwerke hinein, lernt früh viele Leute kennen und hat dadurch sehr gute Kontakte,“ erzählt Spängler. „Und dann kommt irgendwann auch der Moment, in dem man gegen all das rebelliert. Ich wollte auch einmal weg von allem, eigene Erfahrungen machen und selbst herausfinden, was ich kann.“ Über die Arbeit in Banken in Deutschland und New York lernte Philipp Spängler Salzburg dann allerdings wieder schätzen. 

Anstand entscheidet
Unabhängigkeit und Anstand sieht Spängler als die wichtigsten Kriterien des gelingenden Netzwerkens. „Keine Complianceregelung geht so weit wie die einfache Idee, anständig zu sein.“ Denn als Netzwerker hört und sieht Philipp Spängler viel – viel, aus dem Synergien entstehen können (davon darf man anderen meist erzählen), aber wiederum auch viel, dessen Veröffentlichung den Betroffenen schaden könnte. Gerade als Banker hat man schließlich noch viel mehr Informationen darüber, was den Menschen gerade wichtig ist. 

„Ich bin ein geselliger Mensch und ich sehe mich durchaus als Visionär, der die richtigen Menschen zusammenbringt, damit etwas entstehen kann“, sagt Spängler. Dabei geht es in den seltensten Fällen gleich ums Geschäft, aber es geht auch nicht einfach ums Tratschen: „Einer der wichtigsten Grundsätze ist: Du darfst keine Plaudertasche sein.“ Und es gibt auch ein paar Grenzen: „Wo es sich für mich aufhört, das wäre etwa eine Kreditanfrage über Facebook. Das geht mir zu weit. Generell bin ich für alles ansprechbar, aber konkrete Geschäfte sollen schon dort abgewickelt werden, wo sie hingehören."

Netzwerk statt Lobby
Als Zielscheibe der Politik sieht sich Spängler trotz des großen Namens nicht. „Dafür sind wir zu klein. Wenn in der Politik große Dinge entschieden werden, dann redet niemand mit uns.“ Persönliche Kontakte gibt es natürlich, aber die sind eben wirklich persönlich – und vielseitig. Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer ist seit langem – schon vor seiner ÖVP-Politikkarriere – ein enger Bekannter von Spänglers Eltern. „Eine meiner engsten Bekannten ist Barbara Unterkofler, jetzt Stadträtin der NEOS“, beschreibt Spängler die politische Diversität in der Familie. „Da ergibt es sich ganz von selbst, dass wir mit vielen im Gespräch sind und nicht von nur einer Seite vereinnahmt werden.“ 

Verpflichtungen gegenüber der Politik sind tabu, gegenüber der Stadt und ihrer Kultur sind sie für Spängler aber selbstverständlich. „Wir haben ja auch eine große regionale Verbundenheit und fühlen uns als Unternehmen der Stadt verpflichtet. Ich konzentriere mein Engagement auf die Bereiche, die mir Freude bereiten, das ist vor allem die Kultur. Das sehe ich dann kaum noch als berufliche Verpflichtung.“

 

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