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HB Artikel 2 Serie 2

"Langfristig, transparent und rechtzeitig"

Als Robert Pollmann das Familienunternehmen von seinem Vater übernahm, war das ein unvorbereiteter Sprung ins kalte Wasser. Eine Generation und eine weltweite Expansion später möchte die Waldviertler Unternehmerfamilie das anders machen. 

"Beide haben Respekt. Das Unternehmen ist ja auch um einiges größer geworden – ich würde mir wohl auch nicht zutrauen, es einfach so zu übernehmen.“ Robert Pollmann, Chef des Automobilzulieferers Pollmann International, bereitet seinen Sohn und den Sohn seines Cousins auf die Übernahme des Unternehmens vor. 


Die Ursprünge des Pollmann-Unternehmens reichen bis 1888 zurück. Damals wurde die Firma als Uhrenhersteller in Karlstein im Waldviertel gegründet. Am gleichen Ort ist das Unternehmen noch immer, sonst ist von der Idylle des kleinen Handwerkbetriebs nicht viel geblieben: Im Lauf der Zeit stellte Pollmann keine Uhrwerke mehr her, sondern Zählwerke für Tonbänder und Kassettenrekorder, daraus wurden Kilometerzähler und Tachometer – und so war der Einstieg in die Automobilbranche geschafft. 


Heute erzeugt Pollmann in erster Linie Komponenten für Autoschiebedächer und elektromechanische Türschlossgehäuse, hat weltweit 1.700 Mitarbeiter und betreibt Niederlassungen in Tschechien, China und in den USA. Die Eröffnung eines Werks in Mexiko wurde eben erst verschoben – um die Unsicherheit, die Trumps Präsidentschaft über Amerika bringt, erst einmal abzuwarten. 

 

Vätergeneration: Lernschritte aus der Übergabe
Robert Pollmann führt das Unternehmen gemeinsam mit seinem Cousin Markus Pollmann; die beiden sind mittlerweile auch die alleinigen Eigentümer. Die Söhne der beiden können übernehmen – und anders, als es bei der Vätergeneration passiert ist, soll das nicht überfallsartig geschehen. „Mein Vater hat damals angekündigt, nächstes Jahr in Pension zu gehen. Und das war eigentlich auch schon die Übergabe“, erzählt Robert Pollmann. Die Frage, ob er das Unternehmen überhaupt übernehmen wollte, wurde gar nicht gestellt. „Ich wollte ja. Aber wenn ich nur leise Zweifel angedeutet hätte, wäre die Überraschung immens gewesen.“ Das möchte Pollmann, jetzt 59 Jahre alt, für seine Übergabe an den Sohn anders machen. Zum einen ist das Unternehmen um einiges komplexer geworden, zum anderen möchte er seinem Sohn eine fundierte Entscheidung ermöglichen. „Wir sind noch weit weg von einem ‚Point of no return‘ – es kann immer noch alles anders kommen. Mein Sohn soll wissen, worauf er sich einlässt. Und er soll ein gutes Gefühl haben, das auch schaffen zu können.“ 

 

Langfristiges Programm für die Übergabe an die nächste Generation
Deshalb haben die „Pollmänner“ gemeinsam mit Experten des Bankhaus Spängler ein langfristiges Programm für die Übergabe erarbeitet. Der wichtigste Bestandteil des Programms: Die zukünftigen Juniorchefs müssen Erfahrungen außerhalb des eigenen Unternehmens sammeln. "Das eigene Unternehmen kennenzulernen, ist wichtig, mein Sohn hat hier auch keine ausdrücklichen Vorteile oder Privilegien gehabt. Aber natürlich muss er auch kennenlernen, wie es ist, wenn man nicht der Sohn vom Chef ist – gerade wenn einmal Fehler passiert sind“, erzählt Pollmann. 

 

Ausbildungsprogramm, klare Rahmenbedingungen und Transparenz
Dazu kommt noch ein maßgeschneidertes Ausbildungsprogramm, das die bisherigen – vor allem technischen – Schwerpunkte mit kaufmännischen Themen ergänzt. „Und wir lassen uns Zeit“, sagt Pollmann. „Das ist einer der wichtigsten Punkte, die ich jedem Familienunternehmer mitgeben kann: Mit einer Übergabe muss man rechtzeitig beginnen. Drei bis fünf Jahre halte ich für angemessen. Wenn es bei uns länger dauert, ist es auch kein Problem.“ Schließlich ist Robert Pollmanns Sohn erst zwanzig.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der eine funktionierende Übergabe ermöglicht, betrifft klare Rahmenbedingungen. Neben der Führungsfrage sollten auch die Eigentumsverhältnisse klar geregelt sein. Einfluss- und Machtverhältnisse müssen transparent sein, es soll keine indirekten Einflüsse geben. „Jeder in der Familie muss nachvollziehen können, wie die Führung organisiert ist – und wie der Unternehmenswert oder Auszahlungsbeträge berechnet werden. Sonst gibt es schnell Diskussionen.“ 

Transparenz ist auch ein wichtiger Bestandteil des gemeinsam mit den Spängler-Experten erarbeiteten Übergabe-Programms: Die Grundzüge des ausgearbeiteten Programms wurden allen Familienmitgliedern präsentiert, um ganz offene und klare Verhältnisse zu schaffen. Ein Familienkodex, der im nächsten Schritt erarbeitet werden sollte, regelt auch die Funktionen und Aufgaben jener Familienmitglieder, die nicht direkt auf den ersten Blick mit dem Unternehmen zu tun haben. 

 

Expansion und externe Geschäftsführung
Wenn eine Übergabe ansteht, muss grundsätzlich nicht nur die nächste Generation etwas lernen. Auch das Loslassen und das Zurückziehen der älteren Generation sind wichtige Vorgänge, die Probleme aufwerfen können. Die Frage, ob er selbst im Übergabe-Programm auch etwas lerne, nimmt Robert Pollmann durchaus ernst. „Ich habe einen gewissen Vorsprung.“ Schließlich beschäftigt das Unternehmen schon seit zehn Jahren externe Geschäftsführer. 

Nach den großen Expansionsschritten in Richtung China war klar: Es braucht zusätzliches Know-how, um allen organisatorischen Anforderungen gerecht werden zu können. „Wir hatten damals eine wirklich schlechte Zeit erwischt: Erst in China investiert, und dann hat uns die Krise 2008 mit voller Härte erwischt, als wir praktisch keine Rücklagen mehr hatten. Da wollten wir nichts mehr riskieren und haben Leute ins Team geholt, die Erfahrung in solchen Situationen mitbringen.“ 

Der erste Vertrag mit einem externen Geschäftsführer war noch – auf beiderseitigen Wunsch – befristet, seither ist das Management-Know-how aus dem Unternehmen aber nicht mehr wegzudenken. „Jede Gesellschaft hat ihre Geschäftsführer, wir haben eigentlich Mini-Konzernstrukturen aufgebaut. Für mich hat es auch etwas gedauert, aber mittlerweile nehme ich mir schon ohne schlechtes Gewissen kurze Auszeiten – und ich habe nicht mehr das Gefühl dabei, dass ich dringend im Büro gebraucht werde“, sagt Robert Pollmann. 

 

Eine gute Lösung für alle Seiten
Mit dieser Gelassenheit möchte Pollmann jetzt auch die Übergabe über die Bühne bringen. „Ich wünsche mir eine gute Lösung, die allen Seiten hilft. Wenn ich sehe, wie sich mein Sohn in seinem jetzigen Job entwickelt, macht mich das stolz. Ich wünsche ihm viele interessante Erfahrungen, wo auch immer es ihn hin verschlägt. Und genauso wünsche ich mir, dass wir hier eine gute Lösung für unser Unternehmen finden. Wenn das zusammenpasst – dann umso besser.“ 

In solchen Momenten kommt trotz der weltweiten Expansion der lokal verwurzelte Familienunternehmer durch. „Wir sind hier ein kleiner Ort und unser Unternehmen schafft die meisten Arbeitsplätze in der näheren Umgebung – da spürt man eben noch mehr Verantwortung. Es wäre schon deshalb sehr schwer für mich, wenn mit dem Unternehmen etwas schiefgehen würde.“

Mit dem langfristig aufgesetzten Programm hat die ganze Familie Pollmann jedenfalls ein gutes Gefühl: „Es braucht seine Zeit – aber jetzt können wir wirklich auf alle möglichen Entwicklungen eingehen und gute Lösungen finden“. 

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