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Klare Regeln, Vertrauen und Selbstbewusstsein 

Wie viel Familie verträgt das Unternehmen und wie sollen Beziehungen zwischen Familie und Unternehmen geregelt sein? Anette Klinger erklärt die klaren Richtlinien bei Internorm. 

Anette Klinger, Geschäftsführerin der IFN Beteiligungs GmbH (Internorm), ist bereits in dritter Generation im Unternehmen tätig. „Eine starke Unternehmerfamilie ist ganz sicher das Beste für ein Unternehmen“, lässt Anette Klinger keinen Zweifel. „Aber es braucht gute Regeln.“ Unter Umständen auch Regeln, die den Einfluss der Familie begrenzen. 

 

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Die Ursprünge von IFN liegen in der 1931 gegründeten Bau- und Konstruktionsschlosserei Klinger. Die zu 100 % im Familienbesitz stehende Unternehmensgruppe IFN (Internationales Fensternetzwerk) vereint das Know-how, die Innovationskraft und die Flexibilität mehrerer rechtlich eigenständiger Unternehmenseinheiten. 1997 hat sich die zweite Generation aus dem operativen Geschäft in den Aufsichtsrat zurückgezogen und entsendete jeweils eines ihrer Kinder – Anette Klinger, Christian Klinger (l.) und Stephan Kubinger (r.) – in den Vorstand. Fotos: IFN. 

Wer darf im Unternehmen mitarbeiten? 
Klinger ist Geschäftsführerin der IFN Beteiligungs GmbH, des Unternehmens hinter Internorm. Sie vertritt – gemeinsam mit zwei Cousins – die dritte Generation der Unternehmerfamilie, die sich selbst strenge Vorgaben auferlegt hat. So darf immer nur ein Mitglied aus jedem Zweig der Unternehmerfamilie in der Firma arbeiten. Um die Trennung von Familie und Unternehmen sicherzustellen und ein stabiles Gleichgewicht zu schaffen, dürfen auch Partner nicht im Unternehmen mitarbeiten. 

 

Klare Regeln für die Zusammensetzung des Managements und den Übergabeprozess 
Mit dieser klaren Ordnung wird sichergestellt, dass die Interessen aller Familienzweige gleichermaßen vertreten sind und dass die Familie mit einer Stimme gegenüber dem Unternehmen auftritt. Auch während der Organisation von Übergabephasen im Unternehmen sind klare Regeln sehr wichtig – übertroffen nur von Vertrauen.  

 

„In meinem Fall war das ein sehr klarer Schnitt“, erzählt Klinger. „Im Rahmen einer Weihnachtsfeier haben uns die Eltern den Schlüssel in die Hand gedrückt und danach das Unternehmen nur noch betreten, wenn wir sie eingeladen haben.“ Ein so deutlicher Vertrauensbeweis hilft im Übergabeprozess. „Schattengeschäftsführer“ stören den Übernehmer und die Übernehmerin und wirken sich auch auf die Mitarbeiter aus. „Misstrauische Seniorchefs, die sich offensichtlich in Entscheidungen des neuen Managements einmischen, verunsichern ja auch die Mitarbeiter“, meint Klinger. „Das ist fatal." 

Beides – das Vertrauen der Eltern und der Mitarbeiter – hat sich Anette Klinger über Jahre erarbeitet. Die Einarbeitung begann bereits im Alter von 15 Jahren mit einem ersten Praktikum im Unternehmen. Die Entscheidung für sie (und nicht ihre Schwester) fiel wohl aus dem Bauch heraus: „Unser Vater hat uns zwar zu Gesprächen mit Experten und Beratern geschickt, um unsere Eignung abtesten zu lassen. Das Ergebnis war aber, wie zu erwarten in dem Alter (13 und 15), ‚pubertär indifferenziert‘“, erzählt Klinger.  

Mehrwert: Berufserfahrung in anderen Unternehmen 
So wichtig die frühe Mitarbeit im Unternehmen auch ist – noch wichtiger ist es, außerhalb des Einflussbereichs der Familie Erfahrung zu sammeln. Für Klinger ist das ein wichtiger Weg, eigene Sporen zu verdienen und Selbstbewusstsein aufzubauen. In „fremden“ Unternehmen zählt die Leistung, im eigenen Unternehmen steht der Familienname im Weg: Manche unterstellen, dieser sei wichtiger als Leistung, andere setzen umgekehrt gerade deshalb noch höhere Maßstäbe an die Leistung an. Nachfolger bekommen jedenfalls im eigenen Unternehmen nie ein ehrliches Gefühl dafür, wie ihre Leistung einzuschätzen ist – das lässt sich nur außerhalb erarbeiten. 

Die Chefetagen bei IFN sind auch keineswegs für Familienmitglieder reserviert: „Wir arbeiten auf allen Ebenen – Vorstand, Geschäftsführung, Bereichsleitung – in gemischten Teams.“ Externes Management sorgt für zusätzliche Kontinuität und Expertise – und zu viele Familienmitglieder sollen ja gar nicht im Unternehmen arbeiten …  

Wichtige Botschaft für Familienunternehmen 
Bei allen klaren und gut funktionierenden Regelungen hat Klinger aber noch eine weitere wichtige Botschaft an alle Familienunternehmen: „Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig es ist, sich auf Krisensituationen, vor allem in Übergabephasen, vorzubereiten. Es kommt immer etwas anders – man braucht einen Krisenplan, um auch dann noch arbeiten zu können, wenn alle auch noch so erprobten Regelungen einmal nicht mehr anwendbar sind.“

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