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Wer fürchtet sich vor der Börse?

Familienunternehmen und Börsennotierung – auf den ersten Blick passt das nicht zusammen. Aber immer mehr Fonds und Handelsplätze bemühen sich darum, Unternehmen in Familienbesitz an den Kapitalmarkt zu locken.

Auf den ersten Blick klingt es verlockend: frisches Kapital, Investoren, die eher an Finanzergebnissen, als an der inhaltlichen Unternehmensentwicklung interessiert sind, neue Netzwerke und neue Öffentlichkeit. Ist der Börsengang auch für Familienunternehmen das perfekte Mittel für Wachstum und Investitionsspielraum? Traditionell ist das allerdings nicht wirklich naheliegend: Familienunternehmen definieren sich dadurch, in Familienbesitz und nicht in Streubesitz zu sein, Gründer und Eigentümer sind eng mit dem Unternehmen verbunden und halten die Zügel fest in der Hand. Der Weg an den Kapitalmarkt bringt einige Auflagen wie Transparenzerfordernisse oder Beiräte und Aufsichtsräte mit sich. Dazu kommt die Gefahr, über die künftigen Miteigentümer nicht immer mitbestimmen zu können.

Trotzdem sind Familienunternehmen an der Börse geradezu ein Hype – vor allem aus Anlegersicht. Die Wiener Börse führt seit Februar dieses Jahres einen eigenen Family-Index, der börsennotierte Unternehmen listet, die zu mindestens mit 25 % in Familienbesitz sind. Der Index startete mit vierzehn Unternehmen und soll das Augenmerk der Investoren auf eine besonders solide Sparte lenken – und den Unternehmen “internationale Sichtbarkeit liefern und passive Investorenschichten erschließen”, so Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse.
 

Börsengang als Rosskur für das Unternehmen
Aufmerksamkeit und Zugang zu Kapital sind aber nur zwei von mehreren Gründen, aus denen sich manche Familienunternehmer für den Weg an die Börse entscheiden. Andere Beweggründe sind etwa der Schritt zu einer neuen Firmenkultur, die auch neue Strukturen erfordert, die transparentere Gestaltung des Unternehmens nach standardisierten und anerkannten Richtlinien, oder auch die Neuregelung der Eigentümerverhältnisse im Fall einer Nachfolgeregelung. 

Auf der anderen Seite stehen aber auch zahlreiche Argumente, die auf den ersten Blick gegen einen Börsengang sprechen:

  • Transparenzkriterien erfordern unter Umständen massive Eingriffe ins Rechnungswesen oder die Einführung oder Erweiterung einer Revisionsabteilung.
  • Der Aufbau einer Investor Relations-Abteilung und das Veröffentlichen umfangreicher Geschäftsberichte sind zusätzliche Aufwände – für etwas, das der Eigentümer bislang womöglich einfach im direkten Gespräch mit den wichtigsten Partnern erledigt hat.
  • Aktionärsversammlungen und Mitsprachemöglichkeiten sind für viele Familienunternehmen ebenfalls neu.
  • Die laufende Kurspflege – also das ständige Aufzeigen von Markt- und Wachstumspotenzialen – ist einerseits ebenfalls aufwendig, andererseits ein Widerspruch zum konkreten, entschlossenen und meist auch diskreten Arbeiten, das viele Familienunternehmen bevorzugen.

Für Investoren dagegen sind Familienunternehmen gerade im Anlageklima der letzten Jahre ein regelrechter Glücksgriff: Familienunternehmen kämpfen um ihr Kapital. Das Unternehmen – und damit das Familienvermögen – soll auch dann erhalten bleiben, wenn die Geschäfte eine Zeit lang nicht so gut laufen. Und als Traditionshäuser treffen Familienunternehmen in der Regel nachhaltigere Entscheidungen, die alle Aspekte miteinbeziehen und vor allem auch die langfristige Zukunft des Unternehmens im Blick haben.

 

Family Business Trust als beliebtes Anlageprodukt
Unter anderem waren es diese Faktoren, die das Bankhaus Spängler dazu bewogen haben, einen eigenen Spängler Family Business Trust aufzulegen. Der Fonds als handelbares Wertpapier dient beiden Seiten: für Investoren werden die aktuell attraktivsten Familienunternehmen zusammengefasst, Familienunternehmen bekommen einen erfahrenen und ebenfalls an nachhaltigem Wachstum interessierten Investmentpartner, der ihre Situation sehr gut kennt. “Wir haben bemerkt, dass gerade Unternehmer heute ihr Geld am liebsten in das eigene Unternehmen investieren würden – oder eben in andere familiengeführte Unternehmen”, erklärt Werner Zenz, Vorstandssprecher des Bankhaus Spängler.Der Fonds wurde bereits im Jahr 2010 aufgelegt, umfasst mittlerweile 40 Titel, die aus einem Portfolio von über 450 Familienunternehmen ausgewählt werden, wofür zwanzig Indikatoren zur Bewertung herangezogen werden. Natürlich spielen dabei auch heimische Familienunternehmen eine große Rolle.

Die Performance des Fonds ist solide – so wie Familienunternehmen eben sind. “Familienunternehmen gehen generell geringere Risiken ein. Aber in den vergangenen drei Jahren hat der Fonds immer rund vier Prozent gemacht”, zeigt sich Zenz zufrieden. Damit ist der Spängler Family Business Trust um einiges besser als der Eurostoxx 600, der Index der 600 größten börsennotierten Unternehmen Europas. Zusätzlich hat das Bankhaus Spängler den Family Business Barometer geschaffen: Der Family Business Barometer zeigt die Wertentwicklung von an der Börse notierten europäischen Familienunternehmen und ist auch ein wichtiges Werkzeug, um die Performance der Familienunternehmen ins rechte Licht zu rücken. Damit macht das Bankhaus Spängler die positive, nachhaltige Entwicklung von Familienunternehmen sichtbar, die langfristig planen und nicht nur an kurzfristiger Gewinnmaximierung interessiert sind.

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