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Familienunternehmen fordern - Hände weg von Eigenkapital!

Österreich hat mit 90 % Familienunternehmen (54 % exklusive Ein-Personen-Unternehmen) eine sehr hohe Dichte an Traditionsbetrieben.

Bedenkt man, dass 67 % aller Beschäftigten in Österreich in Familienunternehmen arbeiten, und 58 % der heimischen Umsätze dort erwirtschaftet werden, so kann man bei Familienunternehmungen durchaus vom Rückgrat der heimischen Wirtschaft sprechen.

Ein besonderes Merkmal dieser Unternehmungen ist, dass sie nicht vorrangig an Umsatzzahlen und Gewinnsteigerung, sondern in Generationen denken. Aber ist Österreich zukunftsfähig? Ist Österreich ein guter Standort für Unternehmensnachfolger?

  • 43 % aller FU in Österreich sind älter als 30 Jahre
  • 25 % aller FU in Österreich sind älter als 50 Jahre

Die Tradition muss bewahrt werden! Um chancenreich über weitere Generationen planen zu können, müssen die Betriebe frei agieren dürfen. Familienunternehmen fordern daher: Hände weg von Eigenkapital! Die Eigenkapitalausstattung der Familienunternehmen ist der „Humus“ für mehr Investitionen in die Zukunftsfähigkeit des Standortes und für die Absicherung der Wettbewerbsfähigkeit in einem dynamischen globalen Umfeld; damit für sichere und nachhaltige Arbeitsplätze. Besteuert man das Eigenkapital, dann besteuert man das Saatgut statt der Ernte.
Jede Maßnahme, die das Eigenkapital der Familienunternehmen schwächt, ist Gift für die Wirtschaft und für die Sicherheit der Arbeitsplätze.

Die Hauptforderungen dabei sind:

1. Keine Vermögenssubstanzbesteuerung  
zusätzliche Abgabenlast von Unternehmen verhindert Eigenkapitalbindung. Eine Vermögenssubstanzbesteuerung mit einem Aufkommen von 1 Mrd. Euro senkt das BIP, aufgrund der geringeren Ersparnisbildung, mittelfristig um 0.65%. Die Investitionen sinken um 1,25% und Beschäftigung fällt um 0,24% geringer aus. Das entspricht nach heutigem Stand einem Wertschöpfungsverlust von über 2 Mrd. Euro, weniger Investitionen in der Höhe von 900 Mio. Euro und einen Verlust von knapp 10.000 Arbeitsplätzen.

2. Keine Erbschafts- und Schenkungssteuern
eine Erbschafts- und Schenkungssteuer besteuert ebenfalls die Rücklagenbildung. Im Besonderen erschwert sie aber die Betriebsübergaben. In den kommenden 10 Jahren stehen knapp 50.000 KMUs vor der Herausforderung, eine/n Nachfolger/in zu finden. Erfolgreiche Übergaben werden in den nächsten zehn Jahren die Arbeitsplätze von 450.000 Personen (inkl. Unternehmer) und Umsätze von rund 580 Mrd. Euro sichern. Wir brauchen mehr Mut zum Unternehmertum und nicht mehr Hürden für das Unternehmertum!

3. Im Gegenteil muss daran gearbeitet werden, die steuerlichen Rahmenbedingungen für den Aufbau von Eigenkapital und den Zugang zu Eigenkapital zu verbessern
zB. steuerliche Gleichstellung von Eigenkapital und Fremdkapital (etwa in Form einer steuerlichen Absetzbarkeit fiktiver Zinsen auf das Eigenkapital als Betriebsausgabe), ein verringerter KöSt-Satz auf nicht entnommene Gewinne oder ein verbesserter Zugang zum Eigenkapital.

Quelle: IV-Plattform für Familienunternehmen


Statement von Mag. Keinprecht, Bankhaus Spängler, Leitung Finanzierung:

Eigenkapital erfüllt eine Reihe von Funktionen.

  • in der Regel werden mit Eigenkapital die ersten Gründungsinvestitionen finanziert (Gründungsfunktion)
  • es ist die Basis für den Einfluss auf ein Unternehmen (Herrschaftsfunktion)
  • und ist in der Regel die Berechnungsgrundlage für die Verteilung von Gewinnen und Verlusten
  • es stellt die Haftungssubstanz gegenüber den Gläubigern dar und ist damit die Grundlage des Gläubigerschutzes (Haftungsfunktion)

Seine essentiell wirtschaftliche Bedeutung für Unternehmen kommt dadurch zum Ausdruck, dass die Eigenkapitalausstattung
1. eine der wichtigsten Einflussfaktoren für die Kreditwürdigkeit (Rating) eines Unternehmens darstellt und damit
    den Zugang zu Fremdkapital ermöglicht und dessen Preis beeinflusst (Finanzierungsfunktion), und
2. entscheidend für die Absorption von entstehenden Verlusten (Verlustabsorptionsfunktion) ist;
    eine solide Eigenkapitalausstattung sichert den nachhaltigen Fortbestand eines Unternehmens auch in
    wirtschaftlichen schwierigen Jahren.

Themen Autor Robert Keinprecht
Mag. Robert Keinprecht

Mag. Robert Keinprecht ist seit 2017 im Bankhaus Spängler tätig und
leitet den Bereich Finanzierung.
Der studierte Betriebswirt war zuvor über 18 Jahre in der Finanzierungsberatung einer Salzburger Regionalbank tätig, zuletzt als stellvertretender Abteilungsleiter der Firmenkundenabteilung. Herr Keinprecht kann insgesamt auf fast 25 Jahre Berufserfahrung im Bankensektor zurückblicken.

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