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Die österreichische Privatstiftung

Die Stiftung ist ein effektives Instrument zur Bewahrung von Vermögen und dessen Weitergabe.


Seit Inkrafttreten des österreichischen Privatstiftungsgesetzes im Jahre 1993 hat sich diese für österreichische Verhältnisse damals völlig neue Rechtspersönlichkeit in den ersten Jahren sehr erfolgreich entwickelt. Mit der Abschaffung der Erbschafts- und Schenkungssteuer im Jahr 2008 ist die Attraktivität merklich zurückgegangen. Dennoch ist und bleibt die österreichische Privatstiftung in ihrer Grundkonzeption eine interessante Alternative für den Erhalt und die Übergabe von Familienvermögen. Derzeit gibt es in Österreich rund 3.000 Privatstiftungen.


Der Entschluss zur Errichtung einer Privatstiftung zieht weitreichende Konsequenzen nach sich, die im Rahmen einer umfangreichen Planung im Vorfeld zur berücksichtigen sind. Schließlich trennt sich der Stifter dabei von seinem Vermögen, um es in einen eigenen vom Stifter losgelösten Rechtsträger einzubringen. Stiften bedeutet Vermögen zusammenzuhalten, zu bewahren und für künftige Generationen als Einheit zu erhalten. Die Tatsache, dass der dazu notwendige Betrachtungszeitraum weit über die eigene Generation hinausgeht, bedingt entsprechend langfristige Strukturen. Zum einen soll dem Willen des Stifters Rechnung getragen werden, zum anderen aber muss auch die notwendige Flexibilität gegeben sein, um der Dynamik des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels im Zeitablauf zu entsprechen.


Neben einer umfangreichen Dokumentation des Stiftungszwecks und einer klaren Ausformulierung der Stiftungsurkunde ist vor allem die Auswahl der Stiftungsvorstände von immanenter Bedeutung. Insbesondere bei der Verwaltung wesentlicher Unternehmensbeteiligungen und Immobilienvermögen innerhalb der Stiftung sollte sichergestellt werden, dass neben rechtlichen und steuerlichen Kenntnissen auch die entsprechenden Sach- und Branchenkenntnisse im Stiftungsvorstand repräsentiert sind. Ähnlich wie in anderen Lebensbereichen gilt es dabei, die richtigen Personen für klar definierte Aufgabenbereiche zu finden – nicht umgekehrt.


Darüber hinaus sollten Regelungen getroffen und verankert werden, wie ein sachkundiger Stiftungsvorstand über Generationen hinweg sichergestellt werden kann. Die Tätigkeit als Stiftungsvorstand ist kein Ehrenamt, sondern eine verantwortungsvolle Aufgabe. Da der Stiftungsvorstand nicht nur gegenüber dem Stifter, sondern auch gegenüber potenziellen Erben und Begünstigten eine zentrale Position einnimmt, gilt es die verschiedenen Interessen gewissenhaft gegeneinander abzuwägen und klar nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen. Eine Aufgabe, die viel Fingerspitzengefühl erfordert, wenn die Interessen aller Beteiligten, Stifter wie Begünstigte, im jeweils gebührenden Ausmaß berücksichtigt werden sollen.

HSP Ideenwerk 107 2014
KR Heinrich Spängler

Herr KR Heinrich Spängler ist Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bankhaus Carl Spängler & Co Aktiengesellschaft sowie der Spängler IQAM Invest GmbH. Er ist zudem Mitglied des Vorstandes des Verbands Österreichischer Privatstiftungen sowie Mitglied des Vorstandes mehrerer Privatstiftungen.

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